Großes Finale: Jugend debattiert in Südamerika 2024

Jugendliche aus neun Ländern, dieses Jahr auch erstmals aus Guatemala, diskutierten vom 15. bis zum 17. Oktober auf Deutsch. "Sollen die Industrieländer verpflichtet werden, sich finanziell am Schutz der Urwälder in Südamerika zu beteiligen?" lautete die Frage der großen Finaldebatte in Santa Cruz de la Sierra in Bolivien.

Die mögliche Einführung eines verpflichtenden Schulfachs "indigenes Wissen" war eines der vier Debattenthemen im diesjährigen Wettbewerb Jugend debattiert in Südamerika, in dem Pro- und Contra-Argumente sachlich kompetent, ausdrucksstark, gesprächsfähig und vor allem überzeugend vorgebracht werden. Zwar ist die Debattenfrage den Teilnehmenden vorab bekannt, jedoch nicht die Position – Pro 1 bzw. Pro 2, Contra 1 bzw. Contra 2 – worin die besondere Herausforderung für die vier Debattierenden besteht.

Wettbewerb mit großer Strahlkraft

Bereits zum neunten Mal seit 2016 kamen Jugendliche zu einem Debattierturnier in deutscher Sprache in Südamerika zusammen. Das zeigt die große Strahlkraft dieses Wettbewerbs, in dem Schülerinnen und Schüler der Sprachdiplomschulen und Deutschen Auslandsschulen die Möglichkeit haben, sich auf internationalem Niveau mit sozialkritischen Themen auseinanderzusetzen. Er dient auch der Vernetzung der beteiligten Schülerinnen und Schüler und fördert die Völkerverständigung. Gastgeber der diesjährigen Finaldebatte war die Deutsche Schule Santa Cruz in Bolivien.

Debattieren gewinnt an Bedeutung

Günter Zloch, Leiter der Deutschen Schule Santa Cruz, erinnerte in seiner Ansprache an den attischen Staatsmann Solon, der das gesprochene Wort in der kontroversen Debatte an das Publikum als Richter wendet, welches durch Heben der Hände die Überzeugungskraft der einen oder der anderen Seite bestätigt. Carlos Morant als Vertreter der Stadtverwaltung Santa Cruz lobte, dass es einen Wettbewerb der politischen Debatte in dem Theater der Stadt Santa Cruz de la Sierra gegeben habe. Für Dr. José Schulz, deutscher Botschafter in Bolivien, gewinnt Debattieren immer mehr an Bedeutung, nicht nur im schulischen Bereich. Er unterstreicht, wie aktuell das Thema Klimaschutzfinanzierung durch Industriestaaten in der Entwicklungspolitik des Bundes, gerade in den Amazonasstaaten, ist.

Ian Nahoum Wigman gewinnt

Der achtzehnjährige Ian Nahoum Wigman von der Schweizerschule São Paulo, den die Jury schließlich als Sieger der Finaldebatte kürte, plädierte aus seiner Position dafür, dass die Gelder der Entwicklungshilfe zur Finanzierung des Klimaschutzes den bedürftigen Ländern der Amazonia nicht unkontrolliert gezahlt werden, sondern dass ihre Verwendung für den Klimaschutz überwacht wird. Platz 2 erkämpfte sich Sarah Sokolski Oliveros, 17 Jahre, von der Deutschen Schule Cali, Kolumbien. Platz 3 und 4 gingen an Ofelia Crespo Palacios, 16 Jahre, Deutsche Schule Cuenca, Ecuador und María Fe Romero Castedo, 16 Jahre, Deutsche Schule Santa Cruz, Bolivien.

Die Finaldebatte kann man sich hier anschauen.

Nach dem Finale ist vor dem Finale: Der Austragungsort des X. Südamerikawettbewerbs 2025 steht mit Rio de Janeiro in Brasilien bereits fest. Sicherlich sind wieder interessante Debatten zu aktuellen Themen zu erwarten.

Quelle: Friederike Groß, Fachberaterin für Deutsch in Lima

Jugend debattiert ist ein internationaler Wettbewerb für Deutschlernende aus Sekundarschulen, der an zahlreichen von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) betreuten Schulen weltweit durchgeführt wird. Das Projekt regt die Teilnehmenden zur argumentativen Auseinandersetzung in deutscher Sprache mit politisch und gesellschaftlich relevanten Themen an und leistet einen Beitrag zur Demokratiebildung. Jugend debattiert wird gemeinsam von der ZfA und der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung durchgeführt

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Stand 25.10.2024